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Dirk Uhlig und Alexandra Schweikart wiederholen "Via Camillotto Pellesier" (8a+/8b) an der Großen Zinne Nordwand
Am 24. und 26. August sicherten sich Dirk Uhlig (29) aus Erfurth/Thüringen und ich, Alexandra Schweikart (25) aus Bad Rippoldsau im schönen Schwarzwald zwei der raren Rotpunkt-Begehungen der „Via Camillotto Pellesier” an der Großen Zinne Nordwand (Drei Zinnen) in den Dolomiten (Italien)
Die Route wurde 1967 als Techno-Route von Enrico Mauro und Mirko Minuzzo eingebohrt und vom 20.-29. Juli 1967 „in einem Zug” begangen; es stecken beachtliche 340 (!) Sticht- Bohrhaken zur Fortbewegung. Sie widmeten die Route Pellesier.
Die Route wurde von Mauro „Bubo” Bole 2003 mit gut gebohrten Standplätzen versehen und erstmals im Rotpunktstil geklettert. Bis heute wurde Sie nur wenige Male wiederholt, darunter von Dušan Janák (erste Wiederholung), Marko Lukić , Kurt Astner, Ines Papert und Stefan Köchel und ist die schwerste Linie an der Großen Zinne.
Die Schwierigkeit besteht darin, die ersten 6 teilweise überhängenden Seillängen (7b+, 7c+, 8a+/8b, 8a, 7a, 8a+) sturzfrei aneinanderzureihen und vor allem in der letzten Länge, die eine Dach-Crux (200m über festem Boden) bereithält, nicht die Nerven zu verlieren. Die Kletterei ist sehr technisch, mit überwiegend Leisten und Seitgriffen bei nicht immer perfekter dolomitischer Gesteinsqualität.
„Die teils miesen Bohrhaken können zu aufhaltsamen Intermezzi führen”, steht schon im Goedeke-Dolomitenführer (was nicht verwunderlich ist nach 41 Jahren in der Nordwand) und so besteht die andere Schwierigkeit darin, nicht zu viel Energie durch Einhängen der vielen Sticht-Bohrhaken zu verbraten, andererseits keinen Standplatzsturz zu riskieren.
Nach 6 Tagen gemeinsamen Ausboulderns und genauso vielen Tagen bei Regen, Hagel, Wind und sogar Blizzards im Basilager „Ford Escord Combi” am Parkplatz beim Refugio Auronzo wagte Dirk den ersten Versuch am 24. August bei 0°C und Wind. Obwohl er alle Längen während der 6 Tage in der Wand im zweiten Versuch klettern konnte, machten ihm vor allem die Kälte zu schaffen.
Nach einem Kaltstartsturz in der 7b+ startete er nochmals vom Boden und kletterte danach alle Längen souverän bis es in der letzten schweren Seillänge (8a+) nachmals spannend wurde: eine Leiste über der Dachkante rutschte ihm aus der Hand und er musste sich zu einem zweiten Versuch motivieren. Alles lief glatt und er holte sich die wohl erste freie Begehung diesen Jahres.
Mein Versuch, der „Via Camillotto-Pellesier” eine 2. Damenbegehung abzuringen, startete am 26. August bei strahlendem Sonnenschein (...leider nur auf der Südseite). Die angenehmen Temperaturen hatten ihren Preis: viele Griffe waren feucht und die Kletterei recht unberechenbar.
Unbeeindruckt davon konnte ich alle Längen auf Anhieb klettern, besonders die 6. SL, die ich bis dahin noch nicht frei durchstiegen hatte. Eine Mischung aus Adrenalin, Angst und Dirks Motivation mobilisierten alle Reserven und so schaffte auch ich die „Via Camillotto-Pellesier” auf Anhieb!
Vielen Dank an Enrico Mauro, Mirko Minuzzo und an Mauro Bole, die uns mit ihrer Arbeit diesen Eintrag ins Gipfelbuch einer wunderschönen Linie ermöglicht haben.
Short Facts:
11 SL (7b+, 7c+, 8a+/8b, 8a, 7a, 8a+, 6c+, 6b, 6a, 4a, 5a), 400m, dann 150m 3+-Gelände auf der „Dibonakante“ zum Gipfel (2999m).
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