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Gipfelerfolg für Ueli Steck am Hauptgipfel des Gasherbrum II (8035m)
Fast auf den Tag genau drei Jahre nachdem Ueli Steck den Ostgipfel des Gasherbrum II (7772) erklommen hat, steht er nun auf dem 8035 Meter hohen Hauptgipfel des Gasherbrum II.
2006 haben Ueli Steck, Hans Mitterer und Cedric Hählen von der Chinesischen Seite aus eine neue Route erstbegangen: Es ist die erste Route von der Nordseite.
Nachdem Ueli Steck zusammen mit seiner Frau Nicole im Frühjahr zwei Monate in den USA war, reisten die beiden am 8. Juni 2009 in den Pakistan. In Amerika gelang Steck die rotpunkt Begehung der Route „Golden Gate“ am El Capitan. Ein weiterer Erfolg des Profibergsteigers: Nur knapp daran vorbei, der erste Mensch zu sein, der eine Route „on sight“ klettert am Monolith aus Granit im Yosemite National Park.
Bei einer relativ einfachen Seillänge rutsche er aus einem nassen Riss. So musste er diese Seillänge noch einmal wiederholen. Mehrere Seillängen im 10. Schwierigkeitsgrad kletterte Ueli alle im ersten Versuch. Felskletterlegenden wie Yuji Hirayama oder Tommy Caldwell brauchten mehrere Versuche, um diese schwierigen Passagen zu klettern.
Jetzt weht ein anderer Wind. Als Vorbereitung und Akklimatisation besteigt Steck den Gasherbrum II Hauptgipfel. Es ist sein erster Gipfel über 8000 Meter. Im Herbst will er sein lang ersehntes Projekt vollenden und ein Gipfel über 8000 Meter über eine technisch anspruchsvolle Route solo begehen. 


Die Bedingungen sind alles anders als ideal. Nach einer viertägigen Pause im Basislager steigen Nicole und Ueli Steck am 6. Juli erneut ins Lager 1 auf, das auf 5900 Meter liegt. Die Woche ist geprägt durch sehr wechselhaftes Wetter. Dabei ist ca. 1 Meter Neuschnee gefallen. Am 7. Juli wäre der weitere Aufstieg zum Zelt auf 6500 Meter geplant gewesen. Die Lawinengefahr ist hoch. Die beiden verbringen einen stahlblauen Tag in Lager 1. Niemand steigt weiter. Am 8. Juli um 6.00 Uhr in der Früh steigen Nicole und Ueli Steck weiter Richtung Lager 2.
Es ist aber nicht sicher, ob es unter diesen Bedingungen überhaupt möglich ist, ins Lager 2 aufzusteigen. Die Schneesituation ist immer noch prekär. Vorsichtig tasten die sich vorwärts. Es sind sechs Stunden spuren bis zum Lager 2. Während seiner Akklimatisierung zuvor benötigte Ueli Steck im Vergleich gerade einmal 2,5 Stunden für denselben Weg. Das ist nun mal Höhenbergsteigen.
Das Lager 2 befindet sich an einer geschützten Stelle auf dem Grat. Das Zelt von Nicole und Ueli Steck steht ca. 100 Höhenmeter weiter höher als das der anderen Teams. Das Zelt ist nur sehr wenig eingeschneit. Der Ort scheint wirklich perfekt zu sein. Die anderen Zelte 100 Meter weiter unten sind tief im Schnee begraben.
Am 9. Juli um 00.30 Uhr startet Ueli zu einem ersten Gipfelversuch. Der Mond leuchtet ihm den Weg. Der gefallene Neuschnee bietet erheblichen Widerstand. Von 6500 Meter bis ca. 7000 Meter ist der Schnee hüfttief. Das Spuren ist sehr anstrengend. Zwischen 7000 und 7450 Meter kann Ueli auf die abgeblasenen Felsen ausweichen.
Das Klettern über den felsigen Grat ist zwar schwieriger, dafür aber weniger anstrengend als das Höhersteigen im hüfttiefen Schnee. Von Lager 4 quert die Normalroute unter der Gipfelpyramide nach rechts. Der starke Wind der letzten Tage hat seine Arbeit gut verrichtet. Die Traverse geht relativ leicht. Auf dem Col erwartet Ueli Steck den von Meteotest vorausgesagten Wind. Dieser bläst bis zu 50 km/h.
Die Temperaturen fallen dabei auf ca. minus 25 Grad. Vom Col aus sind es noch ca. 300 Höhenmeter zum Hauptgipfel des Gasherbrum II. Der Letzte Aufstieg ist aber noch einmal alles andere als geschenkt. Wieder liegt der Schnee zum Teil fast bodenlos. 12 Stunden nachdem Ueli Steck den warmen Schlafsack verlassen hat, ist der 8035 Meter hohe Gipfel erreicht. Nur gerade fünf Minuten verweilt Ueli auf dem Gipfel. Es ist alles andere als gemütlich dort oben: Wind und Kälte treiben ihn zum schnellen Abstieg. Dieser geht dafür etwas leichter im tiefen Schnee. Das Abrutschen ist eine wohlverdiente Erleichterung. Der Abstieg bis zum Zelt dauert 2,5 Stunden.
Insgesamt ist Ueli Steck 14,5 Stunden unterwegs. Im Rucksack: 0.5 Liter Peronin, 0.5 Liter Minzentee, 2 Oatmeal-Snacks und 4 Powergels. Am 10. Juli steigen Ueli und Nicole Steck wieder ab ins Basislager.
Für Ueli Steck ist dies der erste Gipfelerfolg eines Berges über 8000 Meter. Der Hauptgipfel des Gasherbrum II ist zwar ein einfacher Achttausender. Trotzdem ist es die ideale Vorbereitung zum eigentlichen Projekt im kommen Herbst: dem Makalu in Nepal. In den nächsten Tagen wird Steck noch einmal hochsteigen auf den Hauptgipfel des Gasherbrum II. Zum Training. Und er wird versuchen, den Gipfel zusammen mit seiner Frau Nicole zu erreichen.
Die eigentliche Vorbereitung ist bereits gemacht. Ueli Steck ist zufrieden.
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