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Interview mit Reinhold Messner zum NANGA PARBAT Film
"Ich bin weniger durch meine Erfolge der geworden, der ich heute bin, als viel mehr durch mein häufiges Scheitern."
Wie war die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Joseph Vilsmaier?
Wir haben uns auf eine schwierige Expedition begeben und sind eine Seilschaft geworden. In NANGA PARBAT geht es um zeitlose Emotionen, die weltweit nachempfunden werden können, um Kameradschaft, Gipfelerfolg, um Lawinengefahr und Überleben bis zum letzten. Ich bin überzeugt, dass uns in dieser Seilschaft ein starker Film gelungen ist. Der 70jährige Vilsmaier hat sich sogar als junger Bergsteiger herausgestellt. Von Anfang an entwickelt sich ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen uns. Uns war klar, dass wir uns dem Berg gegenüber zurücknehmen müssen.
Was war Ihnen besonders wichtig?
Hier geht es in keiner Weise um eine heldenhafte Geschichte, sondern ich will selbstkritisch hinterfragen, was am Nanga Parbat passiert ist und ich bin ganz der Meinung von Joseph Vilsmaier, die besten Drehbücher schreibt das Leben. Wir brauchen nur das erzählen, was passiert ist, um starke Emotionen im Zuschauer zu wecken.
Inwieweit haben Sie die Ereignisse von damals, den Tod Ihres Bruders, verarbeitet, wie schwer war es für Sie, diesen Film zu drehen?
Die Ereignisse am Nanga Parbat bleiben natürlich immer Teil meiner Verantwortung und auch Teil meiner Erinnerung, da geht kein Jota verloren. Aber ich hatte Zeit, habe mehrere Bücher über diese Geschichte geschrieben, bin wiederholt, ja dutzende Male zum Nanga Parbat zurückgekehrt und habe dort mit einer eigenen Stiftung den Einheimischen Schulen und eine kleine Krankenstationen gebaut. Ich bin mehr oder weniger im Reinen mit dieser Tragödie, aber es ist unvermeidlich, die Belastung bleibt. Bis zum Nanga Parbat war ich ein fanatischer Felskletterer, das sage ich mit Selbstkritik. Nachher wurde ich ein professioneller Höhenbergsteiger. Ich konnte meinen Bruder nicht mehr lebendig machen und deswegen habe ich weitergemacht und mein Leben den großen Abenteuern verschrieben und bin viel geradliniger weitergegangen als vorher. Ich bin weniger durch meine Erfolge der geworden, der ich heute bin, als vielmehr durch mein häufiges Scheitern.
Wie sind Sie zum Bergsteigen gekommen und was ist die Faszination am Bersteigen?
Ich bin in den Dolomiten groß geworden, in den schönsten Bergen der Welt und als Kind zum Klettern gekommen mit den Eltern, habe langsam die Schwierigkeiten gesteigert. Erst waren die schwierigsten und größten Wände in den Alpen meine Herausforderung, dann wurden es die höchsten Wände der Welt, eben die Rupalwand am Nanga Parbat, ein ganz besonderer Berg, ein schwieriger Berg, ein Mythos. Für Laien ist diese Leidenschaft nur sehr schwer zu erklären. Wir gehen freiwillig in die gefährlichsten Zonen der Erde, dorthin wo Stürme, Lawinen, Steinschlag und die sauerstoffarme Luft uns umbringen könnten. Wir gehen dahin, um nicht umzukommen. Wer selbst dieser Leidenschaft verfallen ist, versteht, dass die „Eroberung des Nutzlosen“ auf der anderen Seite eine der faszinierendsten Möglichkeiten ist, sich selbst und die Welt kennen zu lernen, sich selbst in die Natur hineinzubegeben und diese als etwas Reales, wenn auch Gefährliches wahrzunehmen.
Warum kommen Sie vom Zauber des Bergs nicht mehr los?
Der Berg ist eine archaische Welt, da gibt es keine Regeln. Die machen wir uns sukzessiv selber, wenn wir hinaufsteigen. Eine bestimmte Wand mit einer bestimmten Schwierigkeit bedeutet eine Herausforderung. Eine Herausforderung wie für einen anderen ein Spiel, ein Fußballspiel oder eine gute Note in der Schule. D.h. wir werden gefordert von der Möglichkeit hinauf- und wieder herunterzukommen. Die große Crux des Bergsteigens - ich benutze jetzt ein Zitat von Gottfried Benn - ist die Kunst des Überlebens, dort wo es gefährlich ist. Bergsteigen ist der Widerstand gegen den herausgeforderten Tod. Wir wissen sehr wohl, dass wir dabei umkommen können und wir setzen trotzdem alles ein, was wir an Energie haben, an Zeit, an Mitteln, um diesen Wunsch zu realisieren. Die Kunst dabei ist, nicht umzukommen. Um es kurz zu machen: Der beste Bergsteiger ist der, der die verrücktesten Sachen wagt, aber dabei nicht umkommt.
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