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01.12.2009
Allgemeine News

Subventionen für DAV Kletterzentren: Steuergeldverschwendung im großen Stil?

Von: Andrea Hailer

Zweifel seitens Kletterhallenverbandes KLEVER e.V. an der Gemeinnützigkeit neuer Kletterhallenprojekte des DAV.

Subventionen für DAV Kletterzentren: Steuergeldverschwendung im großen Stil?Der Kletterhallenverband Klever e.V spricht Zweifel an der Gemeinnützigkeit großangelegter Kletternhallenprojekte der größten Bergsteigervereinigung der Welt, dem Deutschen Alpenverein offen aus. Zunehmend entsteht hier ein Katz und Maus Spiel, steht ein David gegen Goliath, wobei es nun bei den inhabergeführten Kletterhallen um die hart erkämpfte Existenz geht.

Die massiv mit Steuergeldern subventionierten DAV Kolosse fügen den gewerblich organisierten Hallen gravierende, messbare und nicht zu kompensierende Wettbewerbsnachteile zu. So sind beispielsweise bei der High Moves GmbH in Bensheim, nach Eröffnung der DAV Kletterhalle in Darmstadt die Umsätze im April 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 37% zurückgegegangen.

Kein Einzelfall, wie Wolfgang Eichholz, Geschäftsführer der Mega Sports GbR in Regensburg erläutert: “Wir haben grundsätzlich überhaupt kein Problem mit einem Konkurrenten vor Ort. Wir empfinden es nur als nicht tragbar, dass von den Steuergeldern die wir bezahlen, unser Konkurrent gefördert wird, zumal ja der Betrieb der Halle augenscheinlich genauso kommerziell ist wie bei uns.

Seit vielen Jahren haben wir versucht, mit dem DAV Regensburg eine Kooperation zu bekommen. Wir haben sehr viele Versuche gestartet, ein gemeinsames Konzept auf den Weg zu bringen“. Hier lassen sich seit Eröffnung der DAV Konkurenz in Regensburg die Umsatzrückgänge um über 50% beziffern.

Aber nicht nur in Bensheim oder Regensburg schlafen die Kletternhallenbetreiber schlecht bei dem derzeitigen DAV Wind von schräg gegenüber: Über 800 Beschäftigte in Voll- und Teilzeit bei den „Freien“ bangen bei diesen Umsatzrückgängen verständlicherweise um ihren Job.

Die Investitionssummen für DAV-Hallen gehen in die Millionen. Öffentliche Stellen erkennen die DAV Wirtschaftsgroßbetriebe noch immer als gemeinnützig an. DAV Kletterzentren geplant, eröffnet und am Leben erhalten durch öffentliche Bezuschussung, sowie Steuervergünstigungen während des Betriebs bedrohen die „freien“ Sportkletterstätten, die nicht diesselben Start- und Über-Lebensbedingungen, wie die Alpenvereinskollegen haben. Gemeinwohlorientiertes Handeln ist hier nicht mehr erkennbar, stattdessen = eine klare Gewinnerzielungsabsicht gegeben.

Seit Längerem schon sind die gemeinnützig anerkannten Sektionen des Deutschen Alpenvereins auch auf dem Geschäftsgebiet der künstlichen Kletteranlagen tätig. Anfangs noch mit kleinen, nur für Mitglieder zugänglichen Hallen - veränderte sich jedoch Charakter und Zielsetzung der neuen DAV-Kletterzentren in den letzten Jahren eklatant.

Nach neuesten Datenerhebungen des DAV Magazins „Panorama“ wird deutlich, wie sehr der DAV bereits auf das Geschäftsgebiet und gewerbliche Organisation mit künstlichen Kletteranlagen fokussiert ist. Auch in der Oktoberausgabe spricht Panorama deutliche Worte: „...die Erschliessung Deutschlands mit Kletterhallen, wie es der DAV als seine zukünftige Aufgabe sieht, längst nicht abgeschlossen“.

Es stellt sich die Frage nach dem Warum. Weil der DAV an Überalterung leidet und keine jüngeren Mitglieder werben konnte? Weil erst durch moderne Kletterhallen die Jungen kamen und damit frisches Geld in den Verband? „Die Zukunft ist jung“ verspricht eine Headline, ebenfalls Oktoberausgabe „Panorama“.

Man nehme beispielsweise das 1,7 Mio. DAV-Projekt in Kassel. Ein Fünftel durch Eigenmittel, bw. Eigenleistung seitens DAV, der Rest durch öffentliche Gelder, Zuschüsse und zinsvergünstigte Darlehen. Alleine die Beigabe der Stadt Kassel und Land Hessen: satte 350.000,- Euro.

Wenn einer Hilfe bekommt, die anderen nicht, handelt es sich um Subventionen. Wirtschaftsexperten bezeichnen Subventionen gerne als „süßes Gift.“ Süß, weil jeder gern eine Hilfe annimmt, die nichts kostet, Gift, weil es sich um etwas handelt, was den natürlichen Wettbewerb verzerrt. Fehler verschleiert - somit einen massiven Eingriff in das Marktgeschehen darstellt.

Es geht hier nicht um die allgemeine Gemeinnützigkeit des DAV, oder darum, was der Deutsche Apenverein leistet und geleistet hat. Es geht um ungleiche Rahmenbedingungen, Verdrängung der inhabergeführten Hallen, um Wettbewerbsverzerrung. Und: Das alles geschieht mit öffentlichen Geldern.

Arbeitsplätze der freien Wirtschaft werden dadurch zu ehrenamtlichen Tätigkeiten umgewandelt. Kann das im Sinne des Förderers, nämlich der öffentlichen Hand sein?

Andrea Hailer
i.A. Kletterhallenverband Klever e.V

Über KLEVER
Kletterhallenverband KLEVER e.V. vertritt die Interessen von derzeit 35 gewerblichen Kletteranlagen in Deutschland, sowie Österreich und der Schweiz. Den Fachverband für künstliche Kletteranlagen gibt es seit 2005.
1.Vorsitzender: Norbert Kunz
2.Vorsitzender: Edgar Faller

 

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5 Kommentare [ anzeigen | verbergen ]
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oms
03.12.2009 19:41 Uhr
Wobei im Beispiel MegaSports mit Sicherheit die Kompetenz und Freundlichkeit des Personals auch eine große Rolle spielen dürfte. Wenn man Benutzer der DAV-Halle fragt, dann trifft man häufig alte MegaSports Stammkunden, die sagen, dass sie sich von inkompetenten und unfreundlichen Angestellten nicht blöd anreden lassen wollen
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Jochen_
03.12.2009 10:41 Uhr
Sebastian83 hat völlig recht. Klettern ist für mich ein großer PRIVATER Spaß und hat nichts mit Gemeinnützigkeit zu tun. Wenn die Gemeinnützigkeit darin besteht, beim privaten Klettern soziale Gemeinschaft und den Sport zu fördern, dann ist jede Kneipe, Disco oder Muckibude eine gemeinnützige Veranstaltung.

Gemeinnützigkeit ist eine rein steuerliche Angelegenheit. Wenn die Kletterhallen so gut laufen (wie zum Beispiel in Stuttgart) und vor allem auch von sehr vielen "privaten" Sportlern genutzt werden, warum soll der Verein dann nicht auch ordentlich steuern zahlen?

Das Argument mit den Besuchern der DAV-Hallen mit 90% Mitgliederanteil halte ich für einen Witz. Für kleinere Hallen, vielleicht. Nicht aber für Großhallen wie Stuttgart oder München. Urban soll hier bitte Zahlen auf den Tisch legen und nicht einfach bloß eine "gefühlte" Einschätzung abgeben.

Außerdem treten viele Leute (vor allem die Schwaben), wenn sie vergünstigten Eintritt bekommen, aus genau diesem Grund in den Verein ein. Da wird kurz durchgerechnet, was ich spare, und flugs bin ich im Verein ohne mit dem DAV eigentlich etwas zu tun haben zu wollen.

Einerseits profitiere ich von dem flächenhaften Ausbau an Klettermöglichkeiten, aber ob es Aufgabe des DAV ist, die Berge sozusagen in die Städte zu holen und dies vor allem eine gemeinnützige, vulgo steuerbegünstigte Aktion sein soll, erschließt sich mir nicht.

Um die Gemeinnützigkeit wirklich zu überprüfen wäre festzustellen, wie viele private und wie viele Vereinsmitglieder die Halle und die Kursangebote nutzen. In Stuttgart kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Großteil der Teilnehmer Vereinsmitglieder sind. So sehen die vielen Gruppen, die da durchgeschleust werden, einfach nicht aus. Dass sich der DAV wie ein privater Investor verhält, sieht man zum Beispiel in Stuttgart, wo jetzt nach der Erweiterung der Halle die Preise drastisch (zum Teil über 10 Prozent) erhöht worden sind.

Ich finde, Urban sollte sich die Argumente der Gegenseite anhören und versuchen, einen fairen Ausgleich mit den privaten Betreibern zu finden. Wenn die Vereine ordentlich Geld verdienen, sollen sie auch ordentlich Steuern zahlen. Auch das ist nebenbei gemeinnützig.

Ich finde es in diesem Zusammenhang zum Beispiel einen absoluten Witz, dass fast alle Profifussballvereine wie der VFB Stuttgart oder der HSV laut Satzung gemeinnützige Vereine sind. Spiegel Online meldete dazu im November 2007, dass die Finanzämter prüfen, den Profivereinen die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Ich weiß aber nicht, wie da heute der Stand ist.

Ich finde, man sollte einfach ehrlich bleiben und fair miteinander umgehen. Da ich sowohl im DAV als auch beruflich selbständig bin, sehe ich durchaus beide Seiten.
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Speleo
02.12.2009 13:57 Uhr
Die Kritik ist durchaus berechtigt. Aber z.B. die von Mega Sports sollten nicht so laut schreien:
http://www.kletterhallen.net/Hallen/Bewertungen/262.html

Für 2EUR mehr bekomm ich ne anständige Halle geboten.
Selbst wenn's ohne Zuschüsse teuerer wird bring mich niemand in die MegaSports-Halle!
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r.r.
02.12.2009 09:51 Uhr
Interessanter Artikel, ich habe mir bei der Lektüre eines der letzten DAV Panorama (als wieder vom Bau einer neuen DAV Anlage berichtet wurde) schon mal gedacht: Ist der Bau von Kletteranlagen das passende Betätigungsfeld für einen gemeinnützigen Verein und was für Auswirkungen hat die Tätigkeit des DAV auf diesem Feld für die Privatwirtschaft? Scheinbar verheerende. Trotz des Kletter- und speziell Hallenbooms macht diese Tätigkeit des DAV eine potentielle Unternehmung eines privaten Investors in diesem Bereich zur Zeit zu einem unkalkulierbaren Risiko. Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, allerdings nicht wenn dabei mit völlig anderen Grundvoraussetzungen wie Subventionen gearbeitet werden kann.
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sebastian83
01.12.2009 20:49 Uhr
Wie recht sie doch haben. Das ganze wäre ja kein so großes Problem solange die "Allgemeinheit", also der Steuerzahler, davon profitieren würden, zb durch günstige Eintritte, speziell für Kinder oder sozial schwache. Doch die Preise in diesen "gemeinnützigen" Hallen sind kaum geringer als in den kommerziell betriebenen Hallen. Da die Betriebs- und Investitionskosten jedoch deutlich geringer sind (bzw teilweise vom Steuerzahler bezahlt werden) sind diese DAV-Hallen sehr rentabel. Der Gewinn fließt jedoch nicht zum DAV zurück (der ja wieder gemeinnützig wäre und die Steuermittel wieder bei der "Allgemeinheit" ankommen würden), sondern zum großteil an kommerzielle Unternehmen, an die der DAV seine Hallen "verpachtet". Diese Unternehmen machen auf diese Weise ordentlich Gewinne- auf Kosten der Steuerzahler, anderer Hallenbetreiber und der DAV-Mitglieder.
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